• Überarbeitete Fassung des Vortrags im Rahmen
    der Podiumsdiskussion „28:12 – warum der Weg
    für Frauen ins ZIB weit ist“ am 26.6.2007 im
    Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik
    Berlin (ZIB)

    Der fortgesetzte Ausschluss der Frauen aus der
    Wissenschaft ist historisch, strukturell und
    epistemisch bedingt. Die historische Entwick-
    lung des Universitätswesens mit seiner dis-
    ziplinären Ausdifferenzierung seit dem
    19. Jahrhundert hat für das heutige akademische
    System zwei wichtige Konsequenzen: Erstens
    setzt das Humboldtsche Universitätsmodell
    Ungleichheit automatisch voraus. Jeder Qualifi-
    kationsschritt, jede Karrierestufe beruht sowohl
    auf einer zu erbringenden Leistung als auch auf
    deren Bewertung durch Betreuer/innen und
    Kolleg/innen. Zweitens ist ein Idealbild
    des‚Wissenschaftlers’ entstanden. Diese Person
    müsse ihren Beruf als Berufung verstehen oder,
    wie es Max Weber formuliert hat, Wissenschaft
    als Beruf begreifen, und daher mit Leidenschaft
    betreiben. Dies bedeutet, diszipliniert und
    selbstbeherrscht zu arbeiten, und ist insbesonde-
    re mit Vorstellungen von Rationalität und Ob-
    jektivität verbunden. Gerade diese in der Wis-
    senschaft herrschende Norm der Rationalität
    und Objektivität macht es schwierig, die ge-
    schlechtliche Einfärbung von Interaktionen wie
    z. B. bei der Leistungsbewertung überhaupt zu
    erkennen.